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Gütergerechtigkeit, globales Denken und selbstloses Handeln

Bischof Gregor Maria Hanke OSB sprach beim DGB zum Antikriegstag

02.09.2017

Bischof Hanke: Gütergerechtigkeit und selbstloses Handeln sind entscheidende Kriterien für den Frieden (Bild: Raymund Fobes)

Beim Publikum fanden die Gedanken des Bischofs großes Interesse und luden zum Nachdenken und Nachfragen ein. (Bild: Raymund Fobes)

Der Bischof freute sich sehr über den Dank von DGB-Organisationssekretär Christian de Lapuente (Bild: Raymund Fobes).

Global denken, selbstlos handeln und Gerechtigkeit anstreben. So kann man die Impulse zusammenfassen, die Bischof Dr. Gregor Maria Hanke bei seinem Vortrag gab, um Frieden in der Welt zu schaffen. Der Eichstätter Oberhirte sprach auf Einladung des DGB anlässlich des Antikriegstages am 1. September.
Er erinnerte zunächst an die Päpste Paul VI. und Johannes Paul II., die im Namen der Kirche den  Krieg rundweg ablehnten. Auch Jesus habe zur Feindesliebe aufgerufen, die Christenheit habe aber in ihrer Geschichte „diesem Auftrag nicht immer entsprochen“. Gleichzeitig gab und gibt es aber gerade auch von christlicher Seite beeindruckende Friedensinitiativen. Bischof Hanke erinnerte an das Friedensabkommen für den afrikanischen Staat Mozambik aus dem Jahr 1992, das maßgeblich durch den Einsatz der Gemeinschaft von Sant‘ Egidio zustande gekommen war. Dass der jahrelange grausame Bürgerkrieg durch das Engagement einer katholischen Gruppierung, die weder über wirtschaftliche noch politische Mittel verfügte, ein Ende fand, lag nicht zuletzt an der Uneigennützigkeit des Handelns von Sant‘ Egidio, die Grundlage für die langwierigen, aber am Ende doch fruchtbaren Gespräche war. Gewiss spielten noch andere Elemente für den Friedensprozess einer Rolle, etwa die Unterstützung durch die UNO und die Kriegsmüdigkeit der Parteien, gleichwohl trug aber gerade die selbstlose Gesprächsbereitschaft entscheidend zum Frieden bei.

„In Kriegen“, so machte der Bischof deutlich, stecke allerdings „allzu oft das Geschäft mit eigenen Interessen.“ Gerade im Blick auf die Waffenexporte wird das sichtbar. Dahinter stecken nämlich größtenteils handfeste wirtschaftliche Belange.

Problematisch schätzte es der Bischof auch ein, wenn wir als westeuropäische Nationen unser Denken den Staaten im Nahen und Mittleren Osten oder in Afrika aufoktroyieren wollen. So ist es nicht möglich und sogar gefährlich, in Staaten, die vordemokratisch organisiert sind, auf die Schnelle demokratische Strukturen aufzubauen.  Bischof Hanke: „Es bedarf eines klugen politischen Augenmaßes, denn die Haltung, unsere politischen und gesellschaftlichen Systeme exportieren zu wollen, dient nicht immer dem Frieden.“ Stattdessen forderte er „eine Kulturpolitik, die dem Dialog der Kulturen dient. Dazu gehört, sich mit den Grundlagen der jeweils anderen Kultur auseinanderzusetzen und um Verständnis zu ringen.“ Hierbei spiele auch das interreligiöse Gespräch eine wichtige Rolle.

Ganz entscheidend für den Frieden sei aber schließlich auch Gerechtigkeit. Das machte schon das Zweite Vatikanische Konzil deutlich, das – mit Berufung auf den Propheten Jesaja – deutlich macht, dass Friede ein Werk der Gerechtigkeit ist. Konkret bedeutet das die dringende Notwendigkeit, global für eine gerechtere Güterverteilung zu sorgen. Der Bischof zitierte Papst Franziskus aus der Ansprache an das diplomatische Corps vom 9. Januar 2017. Darin beklagt der Papst, dass es auf unserer Welt immer noch zu viele Menschen gebe, „die unter ständiger Armut leiden und denen es im Leben an ausreichender Nahrung fehlt […] während die natürlichen Ressourcen von einigen Wenigen gierig ausgebeutet und jeden Tag enorme Mengen von Nahrungsmitteln verschwendet werden.“ Für die Friedensförderung, so der Bischof, sei es notwendig, „die Thematik des bislang ungleichen Ressourcenverbrauchs zwischen wohlhabenden Industrienationen und armen Ländern in den Blick zu nehmen“. Auf Nachfrage aus dem Publikum sah der Bischof auch die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich in unserem Lande als problematisch an. Er nannte dabei nicht nur das Problem der langdauernden Arbeitslosigkeit der „Hartz vier"-Empfänger, sondern auch den übermäßigen Stress im Dienstleistungssektor, wo Arbeitnehmer oft gleich mehrere Jobs bedienen müssen, um finanziell überleben zu können, und die Arbeitslosigkeit oder beruflich- finanziell schlechtere Stellung von Universitätsabsolventen etwa im geisteswissenschaftlichen Bereich gegenüber solchen aus anderen Fakultätszweigen, zum Beispiel dem Ingenieurwesen.

Text und Bilder: Raymund Fobes