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Aktuelles

Von der Weltwirklichkeit zur Gotteserfahrung

Einkehrtag des Dekanats Ingolstadt im Kloster Scheyern.

01.03.2017

Einen interessanten Zugang zur Begegnung von Kirche und Welt vermittelte Referentin Dr. Bettina Karwath (Bild: Raymund Fobes)

Viele pastorale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Dekanat Ingolstadt nahmen an dem Einkehrtag teil. (Bild: Raymund Fobes)

Am 23. März 2017 fand wieder der schon traditionelle Einkehrtag des Dekanats Ingolstadt im Benediktinerkloster Scheyern statt, an dem wieder eine stattliche Zahl der pastoralen Mitarbeiter im Dekanat teilnahm.

Referentin war Dr. Bettina Sophia Karwath , die Theologische Referentin vom Bildungshaus Schloss Hirschberg, die sich von einem interessanten Ansatz her der Frage näherte, wie wir heutzutage uns als Kirche der weitgehend säkularen Welt nähern können. Dazu stellte sie die französische Philosophin Simone Weil vor, die durch die Welterfahrung zu Gott fand, ohne Bibelstudium und ohne Katechese.

Simon Weil, die aus einer – allerdings nicht praktizierenden – jüdischen Familie stammte, studierte in Paris Philosophie und unterrichtete dann an einem Mädchenlyzeum. Schon als Studentin lagen ihr die Sorgen der Arbeiter sehr am Herzen. Sie studierte wenig, diskutierte dafür aber umso mehr. Man sah die starke Raucherin, wie erzählt wird, immer mit dem Tabakbeutel in der einen und der kommunistischen Zeitung in der anderen Hand. Eine Mitstudentin war die Philosophin und Lebensgefährtin von Jean Paul Sartre Simone de Beauvoir, mit der Simone Weil aber nicht gut auskam.

Da es ihr wohl trotz großer Kenntnisse in der Philosophie an pädagogischem Geschick fehlte (ihre Schülerinnen fielen reihenweise durch die Prüfungen), hängte sie den Lehrerberuf an den Nagel und arbeitete für einige Zeit in einer Fabrik, wo sie die Nöte der Arbeiter, die dort unter haarsträubenden Sicherheitsbedingungen stundenlang arbeiten mussten, hautnah miterleben konnte.

Weils philosophischer – und später auch theologischer – Ansatz ging, wohl aus diesen Erfahrungen, von der Anerkennung der Wahrheit als der gegebenen Realität aus. Wahrheitserkenntnis bedeutet, unveränderbare Wirklichkeiten – negative, aber auch positive – anzuerkennen. Aus dieser Haltung heraus kommt sie ganz unmittelbar in der kleinen und schlichten Portiuncolakapelle in Assisi, die sich heute in der großen Basilika Santa Maria degli Angeli befindet und in die sich der heilige Franz von Assisi immer zurückzog, zu einer unmittelbaren Gotteserfahrung. Die schlichte Schönheit des Gotteshauses, von Simone Weil als Wahrheit erfahren, war die Ursache für diese Hinwendung zu Gott.

Weils religiöses Denken ist geprägt vom Gott, der im letzten auch unfassbar ist. Sie selbst steht dem Katholizismus nah, hat sich aber nie – nur nach unsicheren Quellen auf dem Sterbebett – taufen lassen. Sie selbst kommentiert das so, dass sie sich fragt, ob es nicht in Zeiten des Materialismus „Gottes Wille ist, dass es einige Männer und Frauen gibt, die sich ihm und Christus ganz zu eigen gegeben haben und die dennoch außerhalb der Kirche stehen.“

Im Anschluss an den Vortrag von Dr. Bettina Karwath fand noch eine kurze Diskussionsrunde statt, in der Überlegungen angestellt wurden, wie weit Simone Weils Erfahrungen und Denken für eine Begegnung von Kirche und Welt hilfreich sein können. So wurde angeregt, einen Glauben zu vermitteln, der sich Realitäten stellt (an die Ränder gehen, Kontingenzerfahrungen – Leiden und Tod – aufzugreifen, aber auch die Schönheit in der Welt, die ebenso Realität ist, zu thematisieren).

Nach der Diskussion fand die Eucharistiefeier gemeinsam mit den Mönchen vom Kloster Scheyern statt und zum Schluss kamen noch alle im Bräustüberl zu einem gemeinsamen Austausch beim Abendessen zusammen.

Text und Bilder: Raymund Fobes